Travemünde gibt ersten Heimsieg aus der Hand

Konnte sich gegen ihre beinharte Gegenspielerin Martha Logdanidou (l.) nur selten durchsetzen und musste im Duell mit der Griechin viel einstecken: Franziska Haupt. © Felix König
Lübeck. Mit dem Schlusspfiff fiel die Stimmung auf den Nullpunkt. Trauerhalle Steenkamp. Leonie Wulf stierte am Mittelkreis ins Nichts. Der Rest trottete mit gesenktem Kopf zur Bank, wo Stapelfeldt & Co. schweigend nebeneinander saßen. Auch im fünften Anlauf hatte es nicht zum ersten Heimsieg gereicht. Travemündes Handball-Frauen kassierten vor erneut nur 180 Zuschauern gegen Erstliga-Absteiger HSG Bensheim Auerbach eine bittere, weil unnötige 21:24-Niederlage — trotz guter erster Halbzeit (12:10) und 16:14-Führung (40.).

„Die Chance zum Sieg haben wir liegengelassen“, fand Trainer Thomas Kruse. „Die Abwehr stand. 24 Gegentore sind okay, aber im Angriff ist weiter der Wurm drin. Wir waren in der spielentscheidenden Phase im Abschluss zu harmlos, nicht kaltblütig genug.“ Kruse meinte damit die Phase nach der 40. Minute, als die Raubmöwen mit drei Gegentreffern in Folge 16:17 in Rückstand gerieten, beim 16:16 einen Siebenmeter vergaben (Laerke). Kruse: „Der erste Knackpunkt.“

Die Raubmöwen hatten bis dahin die Partie dominiert. Beweglich, kämpferisch in der Abwehr und vorn konsequent gingen sie nach 14 Minuten erstmals mit drei Toren in Front (Laerke zum 7:4). Mareike Vogel war dann kurz vor der Pause der Rückhalt. Auch nach Wiederanpfiff war alles gut, als Jenny Stapelfeldt zum 13:10 (32.) traf.

„Doch danach haben wir klarste Chancen vergeben, haben zu nah an der Abwehr gespielt“, monierte Kruse. Beim 17:17 (50.) war noch alles drin. Die Entscheidung fiel mit der umstrittenen Roten Karte gegen Nina Schmidt (50.). „Die Schiris, die sonst sehr gut gepfiffen haben, haben es als Griff in den Wurfarm interpretiert. Es war allerdings keine aktive Bewegung, eine zeitstrafe hätte gereicht“, meinte Kruse, den die lachende Gegenspielerin danach und die fehlende Verhältnismäßigkeit der Schiris wurmte. Denn zuvor wurden Franziska Haupt die Zähne blutig geschlagen — mit Zweiminuten statt Rot. In Unterzahl kassierte Travemünde zwei Treffer zum 17:19, kurz danach das 17:20 (53.) — die Vorentscheidung. Auffällig: In den letzten zehn Minuten bekam Bensheim fünf Siebenmeter, alle verwandelt durch die Holländerin Sanne Hoekstra (12).

Kruse nahm aber Positives mit: „Das war eine klare Leistungssteigerung. Wenn wir dies über 55 Minuten schaffen, punkten wir. Wir dürfen die Köpfe jetzt nicht hängen lassen.“ Denn in der kommenden Woche kommt Schlusslicht Allensbach. Ein Sieg im Kellerduell, für Kruse ist es „ein Muss.“ Auch wenn er seinen Wunsch, fünf Punkte bis Weihnachten, wohl schon abhaken kann, setzt Travemünde im Kampf um den Klassenerhalt alle Hebel in Bewegung. „Wir suchen noch nach einer Verstärkung, wollen die Mannschaft entlasten“, erklärte Teammanager Frank Barthel. Denn das rettende Ufer ist jetzt schon vier Punkte weg.

Die Statistik zum Spiel TSV Travemünde: Vogel, Kranich — Wulf 4, Bartlau 3, Krey, Stammer 1, Riehl 2, Naleschinski, Schmidt, Jordt 1, Stapelfeldt 2/1, Haupt 4, Laerke 4/1, Wessoly.

HSG Bensheim Auerbach: Radke, Veith — Schmohl, Lauenroth, Mössinger 1, Hildebrand, Grausenburger 2, Ernsberger 1, Edlbauer 1, Hoekstra 12/5, Bartaseviciene 1, Groetzki 2, Moser 1, Logdanidou 3/1.

Siebenmeter: 3/2 — 7/6. Zeitstrafen: 1 (Disqualifikation Schmidt/50.) — 3.

Spielfilm: 1:2 (5.), 4:3 (9.), 7:4 (14.), 7:7 (16.), 10:9 (25.), 12:10 (HZ) — 13:13 (38.), 16:14 (40.), 16:17 (45.), 17:20 (53.), 19:23 (58.), 20:24 (Ende).
 
 
 
 

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