Raubmöwen und Hude lösen mediales Vorgeplänkel auf sportliche Weise

Lübeck – Im letzten Punktspiel vor der Weihnachtspause beendeten die Travemünder Raubmöwen ihre Durststrecke von zuletzt fünf Pleiten und bezwangen das Tabellenschlusslicht HSG Hude/Falkenburg mit 27:22 (12:12).

Im Vorfeld des Spiels kam es wegen einer durch die HSG Hude/Falkenburg beantragten und sowohl durch den TSV Travemünde als auch die verantwortliche Stelle des Deutschen Handballbundes (DHB) abgelehnte Verlegung zu einigen Dissonanzen.

Im Lager der Raubmöwen kam es überhaupt nicht gut an, dass nach der Ablehnung und zwei weiteren vermeintlichen Ausfällen Hudes (Nadja Wassrodt mit Grippe, Jessica Galle mit Zahn-Operation) nicht der nochmalige Kontakt in Richtung Travemünde gesucht wurde. Bereits über die angestrebte Absage erfuhr der TSV am vergangenen Montag zufällig aus der Presse (Weser-Kurier), ehe der Antrag in Travemünde eingign. Vielmehr wurde nach der ablehnenden Haltung des DHB der Weg über die sozialen Netzwerke wie zum Beispiel Facebook gewählt. Travemündes Team-Manager Christian Görs: „Ein Anruf aus Hude hätte uns allen einiges an unnötigem Ärger erspart. Wir hätten dann noch einmal über alles reden können. Aber jetzt ist dazu nichts mehr zu sagen.“

Es war nicht nur aus Travemünder Sicht unverständlich, dass noch heute Vormittag eine Stellungnahme des Huder Trainers Thorsten Stürenburg über die offizielle Facebook-Seite der Huder Drittligamannschaft gepostet wurde, in denen die Raubmöwen verbal an den Pranger gestellt wurden. Am Steenkamp drängte sich der Verdacht auf, dass Zeitpunkt der Veröffentlichung bewusst so gewählt war, um weitere Verunsicherung zu erzeugen. Touché! Das junge Raubmöwen-Team von den Negativ-Äußerungen fernzuhalten, konnte im medialen Zeitalter nicht funktionieren. Ob der jüngsten Mannschaft der 3. Bundesliga Nord damit ein schlechtes Gewissen suggeriert werden sollte, sei dahingestellt. Was einer Menge von Handballfans in der Steenkamp-Halle und auch außerhalb davon übel aufgestoßen ist, war der Vergleich der Spielabsage des SV Henstedt-Ulzburg gegen die TSG Wismar. Am Dienstag war die Ulzburgerin Helen Andersson beim Aufwärmen plötzlich zusammengebrochen und im Krankenhaus sogar intensiv behandelt worden. „Grenzwertig!“ war ein viel gehörter Kommentar dazu.

Die beiden bereits erwähnten Nadja Wassrott und Jessica Galle (einer der Aktivposten) waren in Travemünde mit dabei, so dass die HSG mit acht Feldspielerinnen und zwei Torhüterinnen antrat.

Die wohl wichtigste Erkenntnis des Tages: Sowohl die Raubmöwen als auch die HSG Hude/Falkenburg lösten die Scharmützel aus dem Vorfeld auf sportliche Weise.

Es war wahrlich nichts für Ästheten, was den Zuschauern in der Senator-Emil-Possehl-Halle geboten wurde. Doch damit hatte auch niemand wirklich gerechnet. Die personell angeschlagenen und bisher noch punktlosen Gäste wollten ebenso wie die zuletzt fünfmal sieglosen Raubmöwen das bestmögliche Ergebnis für sich herausholen.

Mit einem Treffer vom Kreis eröffnete Travemündes Steffi Schoeneberg diese Partie. Es folgte die seit Wochen anhaltende Nervosität, was in Anbetracht der Umstände auch nicht weiter verwunderlich war. Hude drehte das Ergebnis postwendend und lag nun seinerseits bis zum 3:2 (7.) vorne. In der elften Minute schafften die Raubmöwen etwas, das ihnen schon lange nicht mehr gelungen war. Das 6:4 Pia Dalingers bedeutete den ersten Zweitore-Vorsprung seit Wochen. Mit ihrem bis dahin schon dritten Treffer setzte Steffi Schoeneberg sogar noch einen oben drauf. Sollte der TSV Travemünde den Weg zum vierten Saisonerfolg bereits geebnet haben? Nein, in keiner Weise. Eine Reihe von technischen Fehlern und überhasteten Abschlüssen hielt Hude im Spiel und brachte den Gästen durch Inke Meyerholz mit dem 10:9 den erneuten Genuss einer Führung (23.).

Nach dem ausgeglichen Ergebnis zur Pause musste dem Raubmöwen-Anhang eine gute Viertelstunde lang Angst und Bange werden. Ein nur schwer zu verstehender Fehlstart brachte den TSV in ungewollte Bedrängnis. Nach 35 Minuten lag Travemünde mit 13:17 zurück und erweckte nicht den Eindruck, entscheidend gegen die drohende Schmach angehen zu können. Doch das Schimpf-Team fing sich. Dank auch einer nach kurzer Herausnahme wieder im Tor stehenden und immer stärker werdenden Hanna Belgardt sowie der Übersicht Pia Dalingers und der Effektivität Lara Kieckbuschs (Foto). Ein Sonderlob Olaf Schimpfs verdiente sich auch Freya Welchert mit ihrem unermüdlichen Einsatz.

So war die Begegnung beim 18:18 durch Pia Dalingers verwandeltem Siebenmeter (45.) wieder ausgeglichen. Als Lara Kieckbusch und Freya Welchert kurz nacheinander zum 20:18 trafen, bekam Travemünde das Spiel immer mehr in den Griff. Gegen die kräftemäßig abbauenden Gäste erarbeiteten sich Jana Gläfke und Co. somit eine glanzlosen, aber umso wichtigeren Sieg.

Erfreulich für die gesamte Mannschaft und für sie selbst im Besonderen: Nach wochenlanger Verletzungspause durfte Jamila Popiol endlich wieder auflaufen. Jetzt warten die Raubmöwen nur noch auf die Rückkehr von Jeannine Bollmann und Carlotta Jochims.

Bevor es für die Raubmöwen endgültig in die Pause geht, steht am kommenden Mittwoch noch das Landespokal-Viertelfinale beim Oberligisten TSV Wattenbek an.

Wenige Tage später heißt es dann in der Rolle des VfL Bad Schwartau, möglichst erfolgreich in die A-Jugend-Bundesligahauptrunde in Leverkusen zu starten.

Die Raubmöwen spielten mit: Belgardt, Patalas – Schoeneberg (7), Fischer (1), Gläfke, Stammer (1), Nicolai (1), Hartstock, Popiol, Karau, Kieckbusch (5), Welchert (4), Dalinger (7/2), Neu (1/1), Hani
 
 
 
 

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