Raubmöwen sind bereit für die 2. Liga

„Ich traue den Mädels in der 2. Liga sogar einen einstelligen Tabellenplatz zu.” Travemünde-Trainer Thomas Kruse
Lübeck - Thomas Kruse sitzt in seinem Reisebüro in der Lübecker Wahmstraße, mit seinen Kunden irgendwo zwischen den Malediven, Macau und Madagaskar. Ihn selbst zieht es eher nach Zwickau, Halle und ins sächsische Großröhrsdorf. Dahin, wo ab September Zweitliga-Handball gespielt wird. „Unsere Planungen laufen auf Hochtouren”, sagt der 45-jährige. Als Trainer hat der ehemalige Bundesliga-Profi die Travemünder Frauen 2004 in die 2. Liga geführt, als Raubmöwen dort etabliert. Jetzt will er mit ihnen den Betriebsunfall aus dem Vorjahr, den schmerzhaften Abstieg, korrigieren.

Die Travemünderinnen führen die Ost-Staffel an, einen Zähler vor der Reserve des HC Leipzig II. Drei Spiele sind es noch, in Brandenburg, gegen Owschlag und in Henstedt. „Und wir wollen drei Siege, um Meister zu werden”, sagt Kruse, der eine mögliche Aufstiegsrelegation als Saison-Vize so umgehen will. „Damit wollen wir uns nicht beschäftigen. In drei Wochen ist das Thema Aufstieg abgehakt”, kündigt Kruse selbstbewusst an.

Kader, Sponsoren, Etat - bis auf einige Baustellen steht das Zweitliga-Gerüst. „Wir sind bereit”, sagt Kruse. Das Gesicht der Mannschaft um die von einigen Bundesligisten umworbene Torjägerin Franziska Haupt verändert sich nur marginal. Rosa und Hannah Gahl sowie Torhüterin Lina Pooch verlassen den Verein, als Neuzugänge kommen Annika Kranich (Lübeck 1876) und Kreisläuferin Annika Jordt (Buxtehude II). „Wir suchen noch eine Linkshänderin, haben eine Rückraum-Verstärkung im Auge, brauchen aber eine Torhüterin”, sagt Kruse. Denn Keeperin Charline Röhr studiert ab Herbst in Gießen Medizin. „Wir wollen sie mit einem Doppelspielrecht für den Drittligisten Dutenhofen ausstatten, dann könnte sie in den Semesterferien für uns spielen”, erklärt Kruse den noch wackligen Plan.

Froh ist er aber, dass Frederikke Lærke bleibt. Travemündes Danish Dynamite verlängert um ein Jahr. Die 19-Jährige hatte ihr Bleiben von einem Job abhängig gemacht, ihn jetzt im Bereich Wirtschaft/Politik gefunden. „Da haben sich viele reingekniet”, sagt Kruse. Dazu zählt er auch Uwe Meiners und seine Frau Kerstin, die zugleich Team-Physiotherapeutin ist. Bei ihnen hat Lærke seit September „mein Zuhause gefunden, wo ich mich unheimlich wohl fühle”.

Kruse kann so auf ein eingespieltes Team setzen, auch im Umfeld („Es machen alle weiter, auch Tanja Volkening als Co”) und in der Kooperation mit dem VfL Bad Schwartau. Er ist überzeugt: „Die Mannschaft ist zweitligatauglich, definitiv.” Noch einmal so ein Lehrjahr wie 2012/13 schließt er aus. „Das wird es nicht geben.” Mit drei Hallen- und einer Krafteinheit („Die wird zur Pflicht”) als wöchentlicher Grundlage sollen die Raubmöwen auf Beutefang gehen. Das Ziel: „Der Klassenerhalt, ich traue den Mädels in der 2. Liga sogar einen einstelligen Tabellenplatz zu.”

Finanziell planen die Raubmöwen mit einem Etat von 92 000 Euro (3. Liga: 50 000 Euro), gespeist von einem Pool von 50 Sponsoren. Gesucht wird nach dem Absprung der Volksbank noch ein Trikotsponsor. „Wir sind aber in guten Gesprächen”, versichert Manager Frank Barthel, der mit seinem Team „richtig ackern” musste. Denn der Verein, der in den vergangenen Jahren als Versicherung stets Löcher gestopft hat, zuletzt sogar fast 30 000 Euro, gibt keinen Cent mehr. „Die schriftliche Versicherung sind jetzt vier Privatleute”, sagt Barthel, der als Firmenchef (fb Datentechnik) einer der „Versicherer” ist. Auch neu: Die von der Liga geforderte Bankbürgschaft in Höhe von 30 000 Euro übernimmt statt des Vereins auch ein Sponsor. Barthel kündigt an: „Wir werden keine finanziellen Probleme bekommen, der Etat ist am 1. Oktober gedeckelt.” Wichtig dabei: Bis auf Fahrtkosten gebe es kein Geld für die Spielerinnen. Barthel: „Anders bekommen wir es auch nicht hin.” Und, um in Lübeck noch sichtbarer zu werden, plant er einen Doppelspieltag mit den Schwartauer Männern in der Hansehalle. „Das wird auch von gemeinsamen Sponsoren immer wieder nachgefragt.”

Das Fazit: Das Zweitliga-Feld ist für die Raubmöwen bestellt. Jetzt müssen sie sportlich nur noch die Ernte einfahren.
 
 
 
 

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