Raubmöwen siegen im Herzschlagfinale

Lübeck – Frohe Weihnachten Raubmöwen! Das mit großer Spannung erwartete Landesderby gegen den SV Henstedt-Ulzburg konnte der TSV Travemünde nach einem Herzschlagfinale mit der Wimpernlänge von einem Tor für sich entscheiden. Das 31:30 (15:12) war der krönende Abschluss einer insgesamt sehr erfolgreichen Halbserie.

Travemünde brauchte zwei Minuten – es lag nach einem Doppelschlag von Marleen Völzke mit 0:2 zurück -, um seinen Rhythmus zu finden. Der von Katharina Naleschinski verwandelte Siebenmeter brachte den Anschluss, gleich darauf gelang durch Luisa Kieckbusch und Frederikke Lærke die erstmalige Führung. Es entwickelte sich die von allen Seiten erwartete hart und intensiv geführte Partie. Dazu waren die Vorzeichen mit den ehemaligen Raubmöwen Jennifer Knust, Nina Schilk, Janicke Bielfeldt und Bente Maassen einfach gegeben. Nicht zuletzt stand auch Travemündes erfolgreichste Torschützin Franziska Haupt im Fokus insbesondere des SVHU. Denn dort hatte sie im Sommer vermeintlich zugesagt, sich dann aber doch für den TSV entschieden. Ganz besonders deutlich trat das in der 56. Minute hervor, als Haupt durch Laura Neu übertrieben gefoult wurde, und diese die Rote Karte sah. Diese Szene wirkte aber eher unglücklich als beabsichtigt. Bis zur Halbzeit verschaffte sich das Team von der Ostsee stets eine Ein- bis Dreitoreführung, so dass es mit einem 15:12 in die Kabinen ging. Travemünde ließ in der ersten Hälfte einiges an Chancen liegen. Aber zehn Paraden von Charline Röhr sorgten für den knappen Vorteil nach 30 Minuten.

Der Start nach Wiederanpfiff hätte aus TSV-Sicht nicht besser laufen können. Schnelle Treffer von Lærke und Karen Wessoly veranlassten SVHU-Coach Volker Paul zu einer ungewohnt frühen Auszeit. Diese zeigte – wenn auch mit ein wenig Anlaufzeit - Wirkung. Travemündes Raubmöwen verloren die Leichtigkeit und mussten hinnehmen, dass die Gäste Stück um Stück herankamen. Bis zur 49. Minute konnte die Kruse-Sieben die knappe Führung behaupten, der Ausgleich zum 24:24 durch Alisa Oehme hatte sich über die Zeit aber angedeutet. Sehr kritisch wurde es, als HU-Keeperin Knust ihre Gegenüber Röhr zum 26:26 überlistete. Irgendwie ein Wiedersehensgeschenk an ihren alten Verein. Im Gegenangriff verlor Travemünde den Ball, so dass sich Henstedt-Ulzburg sogar die Chance zur Führung bot. Jetzt aber war Röhr, die zuvor oftmals von ihren Vorderleuten im Stich gelassen wurde, wieder voll da und hielt drei Bälle in Folge. Zwei Tore der stark aufspielenden Wessoly und noch eines von Haupt sorgten für das 29:26 und damit für die vermeintliche Vorentscheidung (56.).

Aber es passte zu dieser Partie, dass sich das Blatt doch noch zu wenden drohte. Henstedt-Ulzburg kam wieder auf 29:30 heran, ehe Nina Schmidt mit ihrem zweiten Treffer den Deckel zumachte. Das letzte Tor dieser Handballschlacht im positiven Sinne war mit Nina Schilk wiederum einer Ex-Travemünderin vorbehalten.

Nach dem standesgemäßen Sieg Buxtehudes beim Tabellenschlusslicht SV 63 Brandenburg-West verlor der TSV Travemünde zwar die Spitzenposition, aber das ist ein Umstand, mit dem TSV-Trainer Thomas Kruse gut leben kann. Überhaupt zog Kruse ein durchweg positives Zwischenfazit hinsichtlich der ersten Drittligasaison nach neun Jahren: „Ich kann heute der gesamten Mannschaft einfach nur ein Lob aussprechen. Das gilt auch für die Hinserie, auch wenn wir noch lange nicht beim Leistungsvermögen von einhundert Prozent angekommen sind. Heute hat mir sehr gefallen, dass die Spielerinnen in kritischen Situationen eigene Entscheidungen getroffen haben. Diese waren nicht immer richtig, aber darum geht es auch nicht. Dass wir jetzt nicht als Erster, sondern als Zweiter in die Winterpause gehen, spielt für mich überhaupt keine Rolle."

Die Raubmöwen spielten mit: Röhr, Pooch – Wulf (1), Stammer (3), Riehl (4), Naleschinski (2/2), Schmidt (2), Haupt (3), Lærke (9/5), Kieckbusch (1), Wessoly (6)
 
 
 
 

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