Raubmöwen sagen „Tschüss!“

Lübeck – Zum Abschluss dieser Zweitliga-Saison unterlag der TSV Travemünde dem TV Nellingen mit 23:34 (14:18). Mit lediglich fünf Punkten auf der Habenseite wurden die Zielsetzungen weit verfehlt. Doch das ist hinlänglich bekannt; heute ging es darum, einen versöhnlichen Abschluss zu schaffen. Vom Ergebnis her gelang das nicht, dennoch nahm man den Kruse Schützlingen ab, dass sie ihren Anhängern noch einmal guten Handball bieten wollten.

Es war der letzte Auftritt der Raubmöwen-Generation, die vor drei Jahren aus Bad Schwartau kommend, den Travemünder Steenkamp ihre sportliche Heimat nannte. Mit dem Spiel gegen den TV Nellingen verabschiedete sich diese Generation heute ausnahmslos von der Ostsee und übergeben den symbolischen Hallenschlüssen an das neue Team. Dieses kommt ebenfalls vom VfL Bad Schwartau und ist darauf aus, in der 3. Liga einen gelungenen Neuaufbau zu starten.

Noch nie präsentierten sich die Travemünder Handballerinnen in dieser Saison so locker und gelöst wie vor dieser Zweitligapartie. Es wirkte ein wenig so, als wenn sowohl Spielerinnen, Trainerteam und das gesamte Umfeld ihren inneren Frieden nach einem tief enttäuschenden Jahr gefunden hatten. Besondere Vorfreude auf dieses Spiel, die sich nach wochenlangem Ausfall ebenfalls aktiv verabschieden konnte. Bis auf Charline Röhr (krankheitsbedingt) und Malin Stammer (Abifahrt nach Prag) standen dem TSV alle Spielerinnen zur Verfügung.

Den Raubmöwen war anzumerken, dass sie es den Zuschauern und vor allem sich selbst noch einmal beweisen wollten. Der TV Nellingen startete mit zwei Pfostentreffern. Travemünde schaffte nach einem Fehlversuch das, was während der gesamten Saison überhaupt nicht klappte. Und das gleich doppelt: Vivien Bartlau und Franziska Haupt schlossen zwei Tempogegenstöße erfolgreich zum 2:0 ab.

Bis zum 5:4 lag der TSV vorne, bevor Daniela Stratmann in der neunten Minute die erstmalige Gästeführung erzielte. Doch im letzten Spiel hatten die Raubmöwen ungeachtet des lange feststehenden Abstiegs Lust auf mehr. Die Frage war, wie lange Leonie Wulf und ihre Mitspielerinnen das hohe Tempo würden gehen können. Zunächst einmal eroberten sich die Gastgeberinnen die Führung zurück und konnten diese bis zum 12:11 (21.) halten. Beim Stande von 12:13 aus Travemünder Sicht hatte dann auch Trainer Thomas Kruse seinen Auftritt und holte sich seine obligatorische Gelbe Karte ab. Die Aufregung nach dem überharten Einsteigen gegen Vivien Bartlau war dabei allerdings auch verständlich.

Das Spiel selbst lief in dieser Phase nicht mehr so flüssig wie in den ersten 20 Minuten. Die Fehlwürfe häuften sich, zudem hatte Nellingen den Dreh herausbekommen, wie der zuvor drei Mal im Weg stehende Pfosten umwunden werden konnte. So schaffte der TV mit dem 14:12 (24.) den ersten Zweitore-Vorsprung. In der 27. Minuten stand es gar 13:16. Ärgerlich aus Travemünder Sicht, objektiv betrachtet aber schön anzusehen: Mit der Pausensirene verwandelte Tamara Heinzelmann einen Freiwurf direkt zum Nellinger 18:14.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit nahm Thomas Kruse im Tor den abgesprochen Wechsel Mareike Vogel für Annika Kranich vor. Davon unabhängig setzten sich die favorisierten Schwaben Hornets nun doch Tor um Tor ab. So stand es nach knapp 40 Minuten 24:17 für die Mannschaft von Pascal Morgant.

Beiden Seiten war es dabei völlig egal, dass sowohl Saison als auch Spiel gelaufen waren. Sie schenkten sich körperlich nichts, so dass es zu vielen Unterbrechungen nach Foulspielen kam. Es gab nur den Unterschied, der mit ein Grund für den Travemünder Abstieg darstellte: Die gegnerische Vertretung verstand es wesentlich besser, sich dabei noch auf das Wesentliche zu konzentrieren. So zog Nellingen von 26:19 (42.) bis zur 48. Minute auf 29:19 davon.

In den Schlussminuten ging es um einiges lockerer zu. Die seit langem endlich wieder gut gefüllte Halle am Steenkamp sah beidseitig Tore am Fließband. Nach kurzer Enttäuschung ließen es sich die Raubmöwen nicht nehmen, ihren Abschied aus Travemünde gemeinsam zu feiern.

Die Raubmöwen spielten mit: Kranich, Vogel – Wulf (1), Bartlau (3), Krey (1), Riehl (4), Naleschinski (1), Schmidt, Jordt (1), Stapelfeldt, Haupt (5), Lærke (6/1), Wessoly (1)

 

 
 

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