Raubmöwen nach 19:29-Debakel in höchster Abstiegsgefahr

Augsburg – Der Auswärtstrip nach Augsburg von über 800 Kilometern verlief komplett anders, als es sich die Travemünder Raubmöwen vorgestellt hatten. Beim Mitaufsteiger TSV Haunstetten bezog der neue Tabellenletzte (Allensbach schlägt Neckarsulm sensationell mit 29:28) eine empfindliche und in dieser Höhe gerechtfertigte 19:29 (5:15)-Niederlage.

Die Vorzeichen standen von vornherein nicht gut. Mit Laura Riehl (Daumenbruch), Katharina Naleschinski (Muskelfaseranriss), Jenny Stapelfeldt (Fissur im Mittelhandknochen) und Nina Schmidt (Prellung der rechten Hand) hatten bis gestern Abend bereits vier Spielerinnen abgesagt. Hinzu gesellte sich dann auch noch Malin Stammer, die sich im Training der Schwartauer A-Jugend verletzte. Damit leider nicht genug, Kapitänin Leonie Wulf erwischte es nach einem Zweikampf an der Schulter, so dass sie in der Schlussphase nicht mehr zum Einsatz kam und damit sämtliche Alternativen auf dem Feld aufgebraucht waren.

Auch Trainer Thomas Kruse musste passen. Bei ihm waren es allerdings dringende, berufliche Gründe. So lag die Hauptverantwortung bei Co-Trainerin Tanja Volkening. Neben Volkening (die eigentlich auch abgesagt hatte) fanden lediglich eine Feldspielerin und eine Torhüterin Platz auf der Bank. Denn Physiotherapeutin Kerstin Meiners konnte die Reise nach Augsburg ebenfalls nicht antreten.

Der TSV Haunstetten schlug den TSV Travemünde vor 390 Zuschauern mit den Mitteln, die sich die Gäste eigentlich vorgenommen hatten. Mit einer offensiven 3:2:1-Deckung sollten die Augsburgerinnen um Top-Torjägerin Sabrina Duschner verunsichert werden. Doch genau das widerfuhr den Raubmöwen, die sich nach gut drei Minuten einem 0:3-Rückstand gegenübersahen. Erst nach 10:45 Minuten gelang Karen Wessoly der erste Gästetreffer zum 1:4. Im Spiel befanden sich die Nordlichter damit noch lange nicht. Ganz im Gegenteil, in der 21. Minute zeigten die Zahlen auf der Anzeigetafel ein unglaubliches Haunstettener 12:1. Als es mit einem frustrierenden 5:15 in die Pause ging, gab es als Priorität nur noch Schadensbegrenzung.

Es ist müßig, die zweite Halbzeit auf Grund des Ergebnisses von 14:14 hochzujubeln. Aber um doch etwas Positives aus der niederschmetternden Niederlage mitzunehmen: Die Raubmöwen standen die Tortur bis zum Schluss aufrecht durch und ließen sich nicht hängen. So konnten sie wenigstens mit dem Gefühl die zehnstündige Rückfahrt antreten, sich in der zweiten Hälfte dem Schicksal nicht wehrlos ergeben zu haben.

Nichtsdestotrotz lässt sich spätestens seit heute und dem gleichzeitigen Sieg Rödertals gegen Bensheim-Auerbach und eben dem Allensbacher Coup der Gedanke an einen möglichen Abstieg nicht vermeiden. Der HC Rödertal steht nun um fünf Punkte besser da als Travemünde. Am kommenden Samstag kommt es am Travemünder Steenkamp zum direkten Aufeinandertreffen beider Mannschaften. Bei einer erneuten Niederlage würde der Abstand sieben Punkte betragen; der Abstieg in die 3. Liga wäre dann nur allzu realistisch.

Torhüterin Annika Kranich direkt nach dem Spiel: „Es tut uns leid, dass wir jetzt nicht viel sagen können. Wir alle sind gerade ein wenig sprachlos."

Die Raubmöwen spielten mit: Vogel, Kranich – Wulf (2), Bartlau (1), Krey (7/5), Jordt (1), Haupt (4), Lærke (2/1), Wessoly (2)
 
 
 
 

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