21:22 — Festung ist schon gefallen

Lübeck. Die Trommeln, sie waren verstummt. Leonie Wulf und Alina Krey standen reglos auf dem Spielfeld, stierten lange ins Nichts. In Trainer Thomas Kruse brodelte es dafür.

Nach der Gratulation an seinen Gegenüber explodierte der Ostsee-Vulkan. Hatte sich der 46-Jährige schon während des Spiels über die Pfiffe der Schiris Van Hoang Chung/Jannik Otto echauffiert, ließ er nun gegenüber dem DHB-Nachwuchspaar so richtig Dampf ab. Travemündes Handball-Frauen hatten ihre lang ersehnte Zweitliga-Rückkehr verpatzt. 21:22 (9:11) — der Steenkamp wurde von Mitaufsteiger Haunstetten genommen, noch ehe er zur Festung werden konnte.

Und Kruse schäumte: „Wir haben sehr viele Fehler gemacht, ja. Aber hätten die Schiris wenigstens eben so viele gehabt, wir hätten gewonnen.“ In der Tat fiel die unterschiedliche Regelauslegung in punkto Schrittfehler, Siebenmeter und Zeitstrafen ins Auge. Und sie gipfelte in der Schlussszene, als Laura Riehl sechs Sekunden vor Schluss warf, der abgewehrte Ball zu Alina Krey prallte, doch die Schiris den Vorteil abpfiffen. Statt Tor, gab es Freiwurf, den die Gäste-Mauer blockte.

Nur: Vor offiziell 298 Zuschauern standen sich die Raubmöwen nach 487 Tagen Zweitliga-Enthaltsamkeit selbst im Weg. Torjägerin Franziska Haupt erzielte nach 3:15 Minuten das erste Tor (1:1), Laura Riehl und Leonie Wulf sorgten für den ersten Vorsprung (3:1/9.). Das Angriffsspiel, es war flott, gefällig, doch allein sechs technische Fehler (Pässe, Schritte, Fangen) in den ersten zehn Minuten offenbarten, woran es krankte. Dass Travemünde bis zum 7:5 vorn blieb, lag vor allem an der leichtfüßigen 6:0-Defensive mit einer starken Torhüterin Mareike Vogel dahinter, die allein bis zur Pause acht Bälle und zwei Siebenmeter parierte. Doch mit bekanntem Muster aus Fehlpässen und Fangfehlern, die Augsburg mit Kontern (sechs bis zur Pause) bestrafte, brachte sich Travemünde mit zu hohem Dauertempo selbst aus dem Rhythmus (7:9/22.). „Der Knackpunkt war, dass wir zu viele Fehler im Spiel hatten, Haunstetten so zu Kontern eingeladen haben. Im Positionsangriff hatten wir sie im Griff“, brachte es Kapitän Leonie Wulf auf den Punkt.

Nach der Pause kämpfte sich Travemünde dank der nun treffsicheren Haupt (sieben Treffer nach der Pause) zurück ins Spiel, war beim 15:15 (42.) auf Augenhöhe. Es folgte ein Ab (15:18/49.) und Auf (20:20/ Haupt/55.). Doch als sich unter Druck wieder Fehler (19 insgesamt) häuften, enteilten die Gäste entscheidend auf 22:20.

„Das war so ärgerlich“, befand Leonie Wulf. Und auch Thomas Kruse hatte sich wieder abgekühlt: „21 Tore sind zu wenig, 19 banale Fehler zu viel. Das ist eine Riesenenttäuschung, eine komplett unnötige Niederlage.“ Wulf schaute derweil nach vorn: „Ja, es ist ein Dämpfer, gerade gegen einen Mitaufsteiger. Aber das wirft uns nicht aus der Bahn. Wir werden die richtigen Lehren daraus ziehen.“

Am besten schon am nächsten Wochenende in Rödertal — noch ein Mitaufsteiger.

Die Spielstatistik TSV Travemünde: Vogel (15 abgewehrte Bälle/2 Siebenmeter), Kranich (1 Siebenmeter) — Wulf 5, Bartlau 1, Krey, Riehl 4, Naleschinski, Schmidt 1, Jordt, Stapelfeldt, Haupt 9/3, Lærke, Wessoly, Kieckbusch.

TSV Haunstetten: Müller (8 abgewehrte Bälle) — Nohnet, Nibeert, Horner 3, Frank, Kurstedt 4/4, Drasovean, Duschner 8, Hochmair 1, Cappek 1, Irmler 2, Schmid 3/2.

Siebenmeter: 3/3 — 8/6. Zeitstrafen: 6 - 7.

Spielverlauf: 3:1 (7.), 5:5 (14.), 7:5 (16.), 7:9 (22.), 9:11 (HZ) — 13:13 (36.), 15:15 (42.), 15:18 (49.), 18:20 (53.), 20:20 (55.), 20:22 (59.), 21:22 (Ende).
 
 
 
 

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