Erste Kooperationsfrüchte: Gläfke und Schoeneberg in die Bundesliga

Bad Schwartau/Lübeck – Nach Celina Meißner, die im Sommer nach Bietigheim wechseln wird (HL-SPORTS berichtete) hat die Ausbildungsschmiede des VfL Bad Schwartau jetzt zwei weiteren Talenten die Möglichkeit gegeben, sich auf Bundesligaebene weiterzuentwickeln. Doch während sich „Fuchs“ Meißner beim Drittligisten SV Henstedt-Ulzburg an die rauere Luft im Frauenhandball gewöhnte, nutzten Jana Gläfke (auf dem Foto links) und Stefanie Schoeneberg die Travemünder Raubmöwen (ebenfalls 3. Liga Nord) als Sprungbrett nach oben.

Jana Gläfke, Spielmacherin und Kapitänin bei der A-Jugend des VfL und in Travemünde, wechselt für mindestens zwei Jahre in den Süden zur TG Nürtingen. Diese steht unmittelbar vor dem Klassenerhalt in der 2. Bundesliga und will diesen heute Abend mit einem Sieg in Kirchhof perfekt machen. Die 18-jährige über den nächsten Schritt auf ihrer Karriereleiter: „Ich freue mich auf die große sportliche Herausforderung. Ich gehe diesen Schritt, um mich noch weiterzuentwickeln. Es ist toll, dass ich diese Chance wahrnehmen darf; ich bin bereit für den Süden!“ Gläfke ist bereits intensiv dabei, sich auf diverse Studiengänge zu bewerben: „Es soll auf jeden Fall etwas in die soziale Richtung sein.“

Den persönlichen Kontakt zu Steffi Schoeneberg dürfte Jana Gläfke mühelos aufrechterhalten. Denn die Schoeneberg schlägt ihr sportliches Lager keine 20 Kilometer entfernt im schwäbischen Nellingen auf. Für Schoeneberg wird es aller Voraussicht nach sogar ins Oberhaus des deutschen Handballs gehen. Beim TV Nellingen, dem der Aufstieg die die 1. Bundesliga praktisch nicht mehr zu nehmen ist, unterschrieb die Kreisläuferin ebenfalls einen Zweijahres-Vertrag. Ursprünglich sollte der Weg zum Buxtehuder SV führen. Bei diesem hatte Schoeneberg in den vergangen Monaten bereits regelmäßig mittrainiert. Doch der angedachte Wechsel kam nicht zu Stande, so dass sich jetzt die Schwaben Hornets auf ihre die Dienste freuen dürfen. Die 18-Jährige beginnt parallel zu ihrer Handball-Laufbahn ihr Studium der Sportwissenschaften in Stuttgart.

Auch mit Steffi Schoeneberg konnten wir kurz über ihre Zukunft sprechen: „Ich freue mich schon sehr auf Nellingen und die kommenden Herausforderungen. Es ist toll, dass mir das Vertrauen gegeben wird und ich die Chance bekomme, mich weiterzuentwickeln. Und ich denke, dass ich dafür in Nellingen genau richtig bin, denn schon beim Probetraining wurde ich mit offenen Armen empfangen. Besonders freue ich mich über die Entwicklung der Mannschaft, die eine gute Chance hat, um in der nächsten Saison in der 1.Liga zu spielen. Hiermit war zu Beginn der Gespräche nicht unbedingt zu rechnen.“

Und was sagt der Mann der die beiden in den letzten Jahren ausgebildet hat und damit einen großen Teil an Verantwortung für die Entwicklung trägt? Olaf Schimpf über den Werdegang Gläfkes und Schoenebergs: „Wir freuen uns natürlich für Steffi und Jana und dass beide nach der vielen harten Arbeit der letzten Jahre jetzt ein neues sportliches Zuhause gefunden haben und in Zukunft in der zweiten sowie ersten Bundesliga antreten dürfen. Es ist natürlich etwas bedauerlich, dass wir solche Spielerinnen im Moment nicht in der Region halten können, weil es keine Zweitligisten mehr in Schleswig-Holstein gibt. Und auch, weil die Mädchen sich für ihre Zukunftsperspektive Studienorte suchen müssen, an den sie das studieren können, was sie möchten. Beides können wir derzeit hier bei uns nicht bieten.“

Celina Meißner, Jana Gläfke und Steffi Schoeneberg werden hier nur den Anfang bilden. Denn auch in Zukunft wird beim VfL Bad Schwartau ausgebildet und beim Kooperationspartner TSV Travemünde der notwendige Schliff für den Frauenhandball verabreicht. Und das bis auf weiteres auf Drittliga-Ebene, an die 2. Bundesliga ist momentan schon aus finanziellen Gründen überhaupt nicht zu denken.

Olaf Schimpf dazu: „Natürlich ist es derzeit die Idee des Konzepts und des Systems, dass wir Spielerinnen genau dafür ausbilden und dass sie es nach der A-Jugend schaffen, zu solch tollen Erst- oder Zweitligisten zu gehen. Natürlich sind wir stolz auf die Spielerinnen, und wir sind stolz darauf, dass wir sie in den fünf bis sechs Jahren auf die jetzige Entwicklungsstufe gebracht haben. Aber das ist dadurch entstanden, dass wir hier vor Ort keine anderen Möglichkeiten haben. Wir haben in Lübeck weder eine Universität, an der man viele Studienfächer wählen kann noch haben wir derzeit die Möglichkeit, einen Etat für eine 2. Bundesliga Frauen aufzubringen. Wir sind nicht einmal in der Lage, mit anderen Vereinen in der dritten Liga mitzuhalten, die ihren Spielerinnen hohe Aufwandsentschädigungen zahlen. Das Konzept, welches wir fahren ist daher durch die Möglichkeiten vor Ort entstanden. Ich glaube, dass kein Verein auf der Welt seine ausgebildeten Spielerinnen gerne ziehen lässt. Und ich bin mir sicher, dass wir gerne eine gute Zweitligamannschaft hätten, in der alle unser Talente unterkommen könnten. Diese Bedingungen sind in der Region aber leider nicht gegeben; also machen wir das Beste aus den Möglichkeiten und freuen uns über jede Spielerin, die den Sprung in die Bundesliga schafft.“

Die Kooperation mit zwischen dem VfL Bad Schwartau und dem TSV Travemünde, welche es ja schon seit mehreren Jahren gibt, aber erst in dieser Saison so konsequent umgesetzt wurde, darf in diesem Jahr durchaus als Erfolg betrachtet werden. Vor allem unter der Voraussetzung, dass hier nicht die Möglichkeit besteht, alles unter dem Dach eines Vereines (siehe beispielsweise Leipzig, Blomberg-Lippe oder auch Leverkusen) zu bewerkstelligen.

Die Saison befindet sich auf der Zielgeraden, doch sowohl die VfL-Handballgirls als auch die Raubmöwen haben noch große Ziele vor sich. Während heute ganz Handball-Travemünde auf einen Sieg der TSG Wismar gegen den TuS Jahn Hollenstedt-Wenzendorf hofft und danach den endgültigen Klassenerhalt in der 3. Bundesliga Nord feiern dürfte, steht für den VfL Bad Schwartau am kommenden Wochenende noch das Viertelfinal-Rückspiel zur Deutschen Meisterschaft beim TSV Birkenau auf dem Programm. Dieses Viertelfinale ist bereits ein Höhepunkt in der Geschichte der weiblichen A-Jugend. Doch einmal das Final Four erreichen, davon träumen die Mädels um Olaf Schimpf und Thomas Hartstock herum spätestens seit dem Hinspiel. Das gewann der VfL knapp mit 29:28.
 
 
 
 

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