Der Leuchtturm des Nordens

Volle Halle, tolle Tore: Laura Riehl soll heute mit Frederikke Lærke für Schwung aus dem Rückraum sorgen. © sportblitz
Lübeck. „Haunstetten? Keine Ahnung, wo das liegt.“ Die Raubmöwen fliegen nach einem Jahr Abstinenz heute (16.30 Uhr) in ihr zehntes Zweitliga-Abenteuer. Dass der Gegner die einzige Bundesliga- Mannschaft Bayerns, in Augsburg zu Hause ist, mit 19 Spielerinnen den größten Kader der 2. Liga stellt — Travemündes Handball-Trainer ist das egal. Kruse bleibt seiner seit 2004, seit dem ersten Zweitliga-Aufstieg erfolgreich erprobten „Wir-schau‘n-auf-uns“- Philosophie treu — erst recht in einem Heimspiel gegen einen Mitaufsteiger, der Neuland betritt. „Hauptaufgabe ist, dass wir die Kontrolle über das Spiel bekommen, unsere Stärken ausspielen“, will Kruse „seine Mädels“ schon vor dem ersten Wurf mit Selbstvertrauen impfen.

Er selbst hat reichlich davon. In jedem Satz, jeder Geste ist bei dem 46-Jährigen der Optimismus zu spüren. So, wenn er sagt: „Wenn wir hochkonzentriert spielen, wird es schwer, uns zu schlagen, auch für Titelfavorit Dortmund.“ Mit Rang neun hat er als Saisonziel die Messlatte hoch gelegt. Und das, obwohl sein Team mit einem Durchschnittsalter von 21,9 Jahren zu den jüngsten zählt. „Doch ich traue es der Mannschaft zu, bin da absolut ruhig und positiv.“ Er setzt dabei auch auf die Vorfreude, die Neugierde im Ort. Ob beim Gespräch beim Fleischer oder im Einkaufsmarkt — überall spürt er sie, rechnet so nicht nur heute mit einer ausverkauften Halle. Sein Ziel: „Mit den Fans soll der Steenkamp zur Festung werden“.

Kruse weiß, dass die 2. Liga härter, schneller, aggressiver ist, doch sein Team werde das nicht überraschen. Der schmerzliche Abstieg 2013, mit 24 Pleiten in 28 Spielen, sieht er als wichtiges Lehrjahr. „Die Mädels wissen, was auf sie zukommt.“ Und was sind die Trümpfe? „Der Charakter des Teams, sie fighten bis zum Umfallen.“ Mit Laura Riehl, Frederikke Laerke, Franziska Haupt sowie Kapitän Leonie Wulf und Jenny Stapelfeldt ist der Rückraum flexibler als zuvor. In Karen Wessoly (27) hat Kruse seine Abwehrchefin („Sie geht immer vornweg“), in der erfahrenen Mareike Vogel (28), die älteste im Team, seine Nummer eins im Tor. Kruse: „Wir sind breiter und besser aufgestellt denn je.“

Nur: Im Vergleich zu den Topteams im Süden fällt in Travemünde alles etwas kleiner aus — der Etat (93 000 Euro), der kalkulierte Zuschauerschnitt (200), die Dauerkarten (50). „Bei uns wird der Handball mit viel Enthusiasmus gelebt. Die Liga können wir uns nur leisten, weil keiner dafür Geld bekommt“, erklärt Teammanager Frank Barthel, der 50 Partner ins Boot holte, vom Einzelhändler, der 250 Euro für eine Anzeige zahlt, bis zu den Top-Sponsoren „Sparkasse zu Lübeck“ und „BMV Röntgen- und Medizinischer Bedarf“ (Chef ist Schwartau-Gesellschafter Siegfried Drechsel).



Ganz klar: Für Travemünde als Leuchtturm des Nordens wird die 2. Liga ein Kraftakt — gerade in punkto Reisen. Zu den 13 Auswärtsspielen geht es vornehmlich in den Süden. Zu zwei Spielen wird sogar geflogen — im März zum TV Allensbach an den Bodensee via Zürich. Am 10. Januar geht es via Stuttgart nach Nellingen und Neckarsulm. Barthel: „Die Liga hat zwei Spielen an einem Wochenende zugestimmt. Das wird hart, unsere Reisen sind aber nur so zu stemmen.“

Zukunft. Für den Start heute ist Barthel froh, dass er die letzte Baustelle geschlossen hat. Er konnte gestern die neuen Trikots abholen.
 
 
 
 

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