Bittere Pille für „Raubmöwen“

Travemündes Haupttorschützin gegen Zwickau: Frederikke Lærke glänzt in der ersten Hälfte.
Lübeck. Gehofft, gekämpft, verloren: Die nach ihrem ersten Saisonsieg in Mainz mit besten Vorsätzen ins Heimspiel gegen den BSV Sachsen Zwickau gestarteten Handballerinnen des TSV Travemünde mussten gegen den bislang makellosen Tabellenzweiten ein 21:25 (10:11) quittieren. Dabei sahen 180 Fans am Steenkamp eine überraschend ausgeglichene erste Halbzeit, in der der gastgebende Aufsteiger dem Titelanwärter auch dank starker Paraden von Torfrau Mareike Vogel mitunter mehr als nur ebenbürtig war, eine zweite Hälfte mit zwei überraschenden Wendungen und leider auch das Ausscheiden zweier TSV-Leistungsträgerinnen . . .

Zunächst zum Letzteren: Bei der finalen Aktion vor der Pause traf BSV-Akteurin Daiva Aleksandraviciute TSV-Kapitänin Leonie Wulf so unglücklich mit dem Ellenbogen am Kopf, dass diese mit blutverschmiertem Gesicht in die Kabine geleitet und umgehend ins Krankenhaus gebracht wurde. Und sieben Minuten vor dem Abpfiff prallte Torjägerin Franziska Haupt so frontal mit ihrer BSV-Gegenspielerin Annika List zusammen, dass beide Kontrahentinnen nach minutenlanger Erstversorgung auf dem Parkett die Schlussphase am Spielfeldrand kauernd mit Verdacht auf Nasenbeinbruch verbringen mussten.

„Angesichts unserer beiden Ausfälle muss man den Mädels vor allem vom Einsatzwillen her eine gute Leistung bescheinigen, auch wenn die erste Hälfte der zweiten Halbzeit natürlich zum Vergessen war“, kommentierte TSV-Trainer Thomas Kruse die vierte Heimniederlage seiner „Raubmöwen“. „Denn eigentlich konnte uns Zwickau in keiner Phase überraschen, auch wenn die Sächsinnen unsere Fehler fast alle wie befürchtet brutal konsequent mit Tempo-Toren bestraft haben.“

Tatsächlich blieben die Gastgeberinnen zunächst vor allem dank schöner Rückraumtreffer von Frederikke Lærke und einer extrem kompakten 6:0-Deckung mit den ungeschlagenen Gästen auf Ballhöhe, ehe sie nach dem Ausscheiden ihrer Kapitänin den Start in die zweite Halbzeit komplett verpennten. So wurde aus einem 10:11 zum Seitenwechsel (nach zuvor dreimalige TSV-Führung!) binnen sieben Minuten nach Wiederanpfiff ein unnötiges wie unerwartetes 10:15. Spätestens nach dem 14:22 (48.) oder dem 16:24 (52.) rechnete der treue Anhang dann mit einer echten Abreibung. Doch ausgerechnet der K.o. von „Franzi“ Haupt sorgte für eine zweite Überraschung: In der Schlussphase übernahm der tapfere TSV-Rest das Kommando und schenkte dem neuen Spitzenreiter noch drei Tore in Serie ein.

„Das war alles in allem kein Rückschritt, die Mädels haben Moral bewiesen“, befand Coach Kruse und freute sich am Abend auch über „Teilentwarnung“ aus dem Lazarett: „Leo musste zwar an der Oberlippe mit drei Stichen genäht werden, hat aber zumindest keine Zähne verloren. Und Franzi hat zwar einen dicken Cut an der Nase, ist aber mit einer wohl nur leichten Gehirnerschütterung gut zu Hause angekommen.“

Die Statistik zum Spiel TSV Travemünde: Vogel, Kranich - Lærke (7/1), Haupt (6/1), Wessoly (3), Naleschinski (3), Riehl (2), Bartlau, Jordt, Wulf, Krey, Stapelfeldt, Schmidt, Stammer.

Beste Werferinnen BSV Sachsen Zwickau: List (8), Loll (5), Pruß (4).

Zeitstrafen: 2 - 3; Siebenmeter: 2/3 - 1/2.

Spielfilm: 0:2 (2.), 4:3 (12.), 4:5 (13.), 7:6 (20.), 7:8 (22.), 9:8 (23.), 9:11 (30.), 10:11 (HZ) - 10:15 (37.), 11:17 (39.), 14:19 (46.), 14:22 (48.), 16:24 (52.), 18:25 (55.), 21:25 (60.).
 
 
 
 

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