BG-Pflicht gefährdet Zweitliga-Zukunft der Raubmöwen

Lübeck - Die Handball Bundesliga Frauen (HBF), in der alle 28 Erst- und Zweitligisten organisiert sind, hat auf ihrer gestrigen Mitgliederversammlung im hessischen Rotenburg an der Fulda die Weichen für die Zukunft gestellt. „Leider nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Es ist alles gegen uns gelaufen”, berichtete Frank Barthel, Teammanager des Zweitliga-Aufsteigers TSV Travemünde.

Damit meint er den, bis auf die Gegenstimme der „Raubmöwen”, einstimmigen Beschluss, dass ab der Saison 2015/16 in beiden Ligen alle Spielerinnen in der Berufsgenossenschaft (BG) versichert sein müssen. „Das wird Bestandteil für die Lizenz”, so Barthel. Für Travemünde, wo „alle Spielerinnen nur Kilometergeld als Aufwandsentschädigung erhalten” (Barthel), heißt das im Klartext: „Jede Spielerin muss künftig per Minijob mindestens 201 Euro netto bekommen, der Verein darauf Abgaben für BG und Knappschaft entrichten. Das sind für uns 35.000 Euro an Mehrkosten. Wir müssten den Etat auf mindestens 120.000 Euro erhöhen”, rechnet Barthel vor und erklärt: „Stand heute ist das für uns nicht darstellbar. Wir müssten nach einem Jahr wieder absteigen.” Der HBF-Vorsitzende Berndt Dugall ist in seiner Ansage dazu klar: „Wer diese finanzielle BG-Herausforderung nicht abbilden kann, sollte nicht über die Zweite Liga nachdenken. ”

Barthel will die Flinte nicht voreilig ins Korn werfen: „Das Gute ist, dass wir jetzt ein Jahr Zeit haben, uns darauf einzustellen. Wir sind uns einig: Wir nehmen die Herausforderung an, müssen mehr Sponsorengelder einwerben.” Da der Verein der Lizenznehmer ist, braucht es für die neue Vertragssituation zudem den Segen des Vorstandes des TSV Travemünde.

Weitere Beschlüsse von Rotenburg: Die 2. Liga wird ab 2015/16 wieder auf 16 Teams vergrößert. Und: Eine Rückführung in eine zweigleisige 2. Liga ab 2016 - ein Vorschlag der Leistungssportkommission des DHB, die damit eine breitere Basis für Talente wollte - wurde abgeschmettert. Barthel: „Uns hätte es eine erhebliche Kostenersparnis eingebracht. Wir haben sieben Strecken über 700 Kilometer. Das ist der Wahnsinn”
 
 
 
 

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